Antragsgrün - die Online-Antragsverwaltung für Parteitage, Verbandstagungen und Mitgliederversammlungen

Änderungsantrag FR-01-448

Veranstaltung: 38. Ordentliche Bundesdelegiertenkonferenz
Ursprungsantrag: Freiheit Grün Gestalten - emanzipatorisch und partizipativ, verantwortungsbewusst und solidarisch
AntragsstellerIn: Kai Gehring (KV Essen) (Wurzelwerk-Profil)
Status: Eingereicht
Eingereicht: 31.10.2014, 14:09 Uhr

Änderungsantragstext

Ersetzen der Zeilen 448 bis 489 durch:
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
II.8 Freie Entfaltung und selbstbestimmte Entscheidungen für alle Familien
In unserem Land gibt es eine große Vielfalt familiären Zusammenlebens, die alle unsere Anerkennung erfahren: Sie alle haben ein Recht darauf frei und selbstbestimmt ihren Alltag zu leben. Dafür müssen allerdings endlich die Voraussetzung geschaffen werden: ob über die notwendige Reform des Ehegattensplittings, über ausreichende Kita-Plätze, eine funktionierende Betreuungs- und Schulinfrastruktur, die Möglichkeit von Teilzeitstellen, das Rückkehrrecht auf Vollzeit oder die Absicherung von Phasen der Fürsorge. Hier sind sowohl Staat als auch Wirtschaft und Gesellschaft gefragt, emanzipatorische und partizipative Freiheit zu ermöglichen. Wenn zwei Drittel aller Eltern Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich aufteilen wollen, dies aber nur in sechs Prozent der Fälle im Alltag gelingt, ist das eine erschreckende Diskrepanz – und ein Auftrag an unsere Politik, den wir beherzt annehmen. Diese Debatte wollen wir im kommenden Jahr mit unserem Schwerpunkt Zeitpolitik fortsetzen.
Die Große Koalition gefährdet die Wahl- und Entscheidungsfreiheit von Familien. Besonders die Union hält an einem Familienbild aus dem letzten Jahrhundert fest und ignoriert die Realität mit ihren vielfältigen Familienformen und vielseitigen Anforderungen. Letztendlich leiden darunter die Kinder. Wirksame Maßnahmen gegen die geringeren Gehälter von Frauen bleibt sie schuldig.
Wir Grüne fordern Kinder in den Mittelpunkt der Familienpolitik zu stellen. Das bedarf der Anerkennung und Gleichbehandlung aller Familienmodelle und flexibler Arbeitsmodelle, die auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen. Dazu braucht es eine Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur, die es Eltern ermöglicht, Beruf und Familie partnerschaftlich zu vereinbaren. Bei der Infrastruktur dürfen wir die Qualität der Einrichtungen nicht vernachlässigen. Niemandem ist geholfen, wenn die Kinder entweder keinen Platz in einer Einrichtung finden oder in zu großen Gruppen zu wenige Anregungen erfahren. Das Betreuungsgeld, das als Kita-Fernhalteprämie tatsächlicher Wahlfreiheit und besseren Bildungschancen für viele Kinder entgegensteht, lehnen wir ab.
II.9 Gute Bildung und Wissenschaftsfreiheit für Selbstbestimmung und gesellschaftliche Freiheit
Bildung
ist der Grundpfeiler einer offenen und gerechten Gesellschaft. Gute Bildung von Anfang an ist entscheidende Voraussetzungen für persönliche Freiheit und Selbstbestimmung, für soziale, kulturelle und berufliche Teilhabe, für gleiche Chancen und Aufstiegsperspektiven für alle. Deshalb brauchen wir ein Bildungs- und Wissenschaftssystem, das den Menschen ermöglicht, bewusste und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, an der Willensbildung teilzunehmen und ihren Bildungs- und Berufsweg selber bestimmen zu können. Eine pluralistische und lebendige Demokratie lebt vom Mitmachen der BürgerInnengesellschaft und von neuen Ideen, deswegen braucht es Freiräume für Kreativität und Innovationen sowie vielfältige Bildungsmöglichkeiten.
Unser Land braucht endlich Bildungsorte, die bestmögliche Chancen für alle garantieren und allen Kindern und Jugendlichen gerecht werden. Dafür ist es unerlässlich, dass gesellschaftliche Vielfalt von Anfang wertgeschätzt und als Chance begriffen wird, denn nur so kann ein von Anerkennung geprägtes lernförderliches Klima gewährleistet werden. Als freiheitliche Gesellschaft müssen wir ein neues Chancen- und Aufstiegsversprechen geben und eine neue Bildungsexpansion ermöglichen, damit Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten nicht länger nach Herkunft verteilt werden.
Die Große Koalition macht in der Bildungspolitik nur Trippelschritte. Zu einem vollständigen Kippen des Kooperationsverbots kann sie sich nicht durchringen, obwohl damit endlich die große gesamtstaatliche Aufgabe Bildung gemeinsam angepackt und ihre Finanzierungsgrundlage gestärkt werden könnten.
Wir Grüne wollen den Mangel an Kita-, Ganztagsschul-, Ausbildungs- und Studienplätzen überwinden, das Kooperationsverbot in Gänze kippen, die Bildungsfinanzierung stärken und die Qualität in allen Bildungseinrichtungen erhöhen. Kitas, Schulen und Hochschulen brauchen eine angemessene Ausstattung, denn nur so trägt Bildung zu einem selbstbestimmten Leben bei.
Bildung und Forschung sind Grundvoraussetzung zur Bewältigung der sozialen, ökologischen, kulturellen und ökonomischen Zukunftsfragen. Daher sind wir Grüne seit jeher eine starke Kraft für Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie. Hochschulen sehen wir als wesentliche Orte und Freiräume des Denkens, des Lernens, des Lehrens, des Forschens und der Erneuerung: Sie sind Quelle von Fortschritt und Kritik, von Geist und Kreativität, von herausragender Forschung und des kritischen Diskurses über ihre Potenziale, Chancen und Risiken. Sie helfen, unsere Gesellschaft und Wirtschaft durch technologische und soziale Innovationen zukunftsfähig zu gestalten.
Wissenschaftsfreiheit ist ein durch unser Grundgesetz garantiertes Grundrecht und Grundbedingung für wissenschaftliche Qualität. Sie ist konstitutiv für jede Demokratie, Gradmesser einer freiheitlichen Gesellschaft und unverzichtbar für neue Erkenntnisse – daher lehnen wir Denkverbote ab. Dabei benötigt Wissenschaftsfreiheit adäquate Rahmenbedingungen, eine auskömmliche Finanzierung, Methodenvielfalt und Pluralität der Ansätze, größtmögliche Transparenz und zivilgesellschaftliche Partizipation, den offenen gesellschaftlichen Diskurs über ethisch-moralische wie sozial-ökologische Grenzziehungen und die Ergebnisse von Technikfolgenabschätzung.
Wir Grüne wollen erweiterte wissenschaftspolitische Möglichkeiten des Grundgesetzes nutzen, um dem weiteren Studierendenboom und wachsenden Forschungsbedarf gerecht zu werden. Die Grundfinanzierung der Hochschulen muss gestärkt und so die Balance zwischen Grund- und Drittmittel-Finanzierung wieder hergestellt werden. Wir wollen die Ziele erreichen, 7% des Bruttoinlandsprodukts in Bildung und 3,5% in Forschung und Entwicklung zu investieren, um größere Freiräume für Bildung, Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie zu schaffen.
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.

Begründung



UnterstützerInnen

UnterstützerInnen:
  • Özcan Mutlu
  • Anja Schillhaneck
  • Harald Ebner
  • Dr. Franziska Brandtner
  • Dr. Ruth Seidl
  • Katja Dörner
  • Rasmus Andresen
  • Martin-Sebastian Abel
  • Dr. Eva Gümbel
  • Alexander Salomon
  • Ottmar von Holtz
  • Tabea Rößner
  • Meike Rodekamp
  • Max Christian Derichsweiler
  • Simon Rock
  • Eva Malecha
  • Karsten Ludwig
  • Heraldo Hettich
  • Lucas Gerrits